Geschichte

Das Hufeland-Haus ist ohne die lange und belebte Geschichte der Inneren Mission Frankfurt und deren Einrichtungen wie das Schloss Meerholz oder die Waldmühle, heute Therapiezentrum der Stiftung Waldmühle, nicht denkbar. Die Zeit vor der Gründung ist auf unserer Website der Inneren Mission nachlesbar.

Nach 1945

Nach dem 2. Weltkrieg entwickelte sich – gefördert durch das Wirtschaftswunder und die längere Lebenserwartung, durch medizinischen Fortschritt und Wohlstand ein hoher Bedarf an Heimplätzen in der Altenpflege.

Als es der Inneren Mission nach langen Bemühungen schließlich gelang, im damals noch dünn besiedelten Seckbach den erforderlichen Baugrund für einen Neubau zu erwerben, wurden schon damals baulich und konzeptionell neue Standards gesetzt. Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass das Hufeland-Haus als Einrichtung mit Vorzeigefunktion und Modellcharakter bezeichnet wurde.

1964 bis 1971

Bei seiner Eröffnung im November 1964 galt das „Alten- und Krankenheim der Inneren Mission“ als hochmoderne Einrichtung, weil sie einerseits die Erfahrungen aus dem Bau von Krankenhäusern berücksichtigte, aber andererseits eine wohnliche Atmosphäre mit vielen Gemeinschaftsräumen bot. Ihren Namen verdankt die Einrichtung dem Arzt Christoph-Wilhelm Hufeland (1762 – 1836).

Als wegweisend darf heute auch die Inbetriebnahme des Betriebskindergartens genannt werden. Schon damals herrschte Personalmangel, dem man mit einem besonderen Angebot Abhilfe schaffen wollte: Mütter mit kleinen Kindern konnten zur Arbeit gehen, und wussten ihre Kleinkinder in guten Händen, an 7 Tagen in der Woche, von 6 Uhr bis 19.30 Uhr, auch am Heiligabend.

1967 konnte aufgrund einer großzügigen Spende das Haus 34 D als „Mutter-Kind-Haus“ gebaut werden, in welchem bis heute günstiger Wohnraum zur Verfügung gestellt wird.

Fast in Vergessenheit geraten ist, dass die Pflegemitarbeiterinnen der ersten Stunde von der Markusschwesternschaft (aus dem Markus-Krankenhaus) gestellt wurden. Heute erinnert nur noch der Wandbehang, das Altartuch und der Behang des Ambo in der Kapelle daran. 1971 schenkten die Markusschwestern dem Haus diese gewebten Kunstwerke aus der Werkstatt von Veronika Malata.

1971 – ca. 1988

Obwohl gerade erst seit 7 Jahren in Betrieb wurde 1971 mit Siegfried Gößling ein Gerontologe Geschäftsführer, der das immer noch moderne Konzept in zum Teil atemberaubender Geschwindigkeit weiterentwickelte und vorantrieb. Seine Eltern waren als Heimleiter im Pflegeheim in Meerholz tätig, so dass er mit der Altenhilfe von klein auf vertraut war.

Sein Credo war aber etwas völlig neues. Die Förderung des alten Menschen – weg von der Verwahranstalt hin zur Aktivierung. In diesem Themenbereich setzte er weit über die regionalen Grenzen hinweg Meilensteine:

In seinen frühen Veröffentlichungen begründete er den Begriff der „aktivierenden Pflege“, heute in Rehabilitation und Geriatrie weithin integraler Bestandteil zeitgemäßer Konzepte. (vgl. Gössling, S. (1989) Aktivierende Pflege, in Deutsche Zentrale für Volksgesundheit (Hrsg): Interventionsmaßnahmen in Alten- und Pflegeheimen – eine Handreichung für die Praxis; S. 30-31)

Das Konzept der aktivierenden Pflege und Rehabilitation im Alter und die Einführung der Tagespflege haben dem Hufeland-Haus einen bundesweiten, teilweise auch internationalen Ruf eingebracht und die Altenhilfe in Deutschland beeinflusst. Es entstand auch eine enge Zusammenarbeit mit dem Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) und namhaften Experten, u.a. mit der späteren Bundesministerin Prof. Dr. Ursula Lehr.

Seine Ideen setzte Gössling in der eigenen Einrichtung um. So entstanden in der Folge eine Reihe von Angebote, die der neuen aktivierenden Ausrichtung Rechnung trugen:

  • 1973 Ergotherapie
  • 1973 Betreutes Wohnen (Wilhelmshöher Straße 18b und 18c)
  • 1973 Die erste Tagespflege Deutschlands öffnet im Hufeland-Haus ihre Pforten
  • 1974 Das Haus wird im Rahmen der Feier zum 10-jährigen Bestehen in „Hufeland-Haus“ umbenannt
  • 1974 Physiotherapie
  • 1976 Inbetriebnahme des „Hilfezentrums“, eigener Gebäudeteil für Therapie und Tagespflege sowie des Bewegungsbads mit Hydrotherapie
  • Seit 1976: Essen auf Rädern und Mobile Dienste (Hilfen zur Haushaltsführung)
  • 1977 Eröffnung der Altenpflegeschule

Natürlich waren die Entwicklungen im Hufeland-Haus auch immer wieder von Krisen begleitet. Der Pflegenotstand in den 80er Jahren machte auch vor dem Hufeland-Haus nicht halt. Es waren kaum qualifizierte Pflegekräfte auf dem Arbeitsmarkt zu gewinnen. Existenzbedrohend war allerdings die Planung der Autobahn (A661) in unmittelbarer Nähe. Durch einen umfangreichen und lange Jahre dauernden Weg durch alle Klageinstanzen konnte schließlich doch erreicht werden, dass einerseits eine große Lärmschutzwand errichtet und andererseits eine Ausgleichszahlung geleistet wurde, die es ermöglichte, das Haus im Rahmen eines zweistufigen Umbaus mit weitgehendem Lärmschutz auszustatten. So konnte das Haus für seine ursprüngliche Zweckbestimmung erhalten werden.

1989 bis heute

1989 wurde der ambulante Pflegedienst gegründet. Im Jahr 1990 übernahm das Hufeland-Haus im Auftrag der Stadt Frankfurt die aufsuchende, quartiersbezogene Beratung älterer Mitbürger mit der Beratungs- und Vermittlungsstelle, seit 2012 umbenannt in „Beratungsstelle für selbständiges Leben im Alter“.

In den 1990er Jahren wurde das Hufeland-Haus erneut Modell und Vorzeigeeinrichtung. Mit der Klinik für geriatrische Rehabilitation gab das Haus 1997 als eine von drei Einrichtungen in Hessen einem neuen Betätigungsfeld ein Zuhause. Fortan wurden im Hufeland-Haus Menschen mit dem Ziel aufgenommen, sie durch einen interdisziplinären Ansatz (aus Medizin, Pflege, Therapie und Sozialdienst) weitestgehend wieder selbständig zu machen.

Damit wurde eine Idee, die in den frühen Überlegungen Christoph Wilhelm Hufelands ihren Anfang nahm und von Gössling im Hufeland-Haus eingeführt wurde, konzeptionell vollendet.

Mit Beendigung des Modellprojekts musste auch ein Wechsel in der Trägerschaft vollzogen werden. Die 50 Betten-Klinik wird seit Januar 2005 durch das benachbarte Sankt-Katharinen-Krankenhaus als Klinik für Geriatrie betrieben.

2004 entstand der Wohnbereich für Menschen mit körperlicher Behinderung.

Der Vernetzungsgedanke ist im Hufeland-Haus immanent. Doch wir erheben bei weitem nicht den Anspruch, alles selbst bieten zu können. Neben der Kooperation mit der geriatrischen Klinik bestehen viele z.T. langjährige Kooperationen.

Seit 2003 kooperieren wir mit der Institutsambulanz der Klinik Hohe Mark

2009 war das Hufeland-Haus Mitbegründer des Verbundes „Stichwort Care“.

Auch eine Folge intensiver Kooperation war die Übernahme des Ambulanten Dienstes des Frankfurter Diakonissenhauses im Oktober 2010.

Mit dem Einbau des Blockkraftheizwerks (2008) und der Sanierung der Dachflächen (2009) konnte auch der Gebäude- und Energiestandard wesentlich verbessert werden.

2011/12 wurde die Kindertagesstätte um- und angebaut.

Mit der Übernahme des Conciergedienstes im Service-Wohnen der Frankfurter Aufbau AG im Diakonissen-Areal im April 2012 wurde ein weiteres Betätigungsfeld eröffnet.